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Interviewreihe - Folge 2: Timo Benitz, Mittelstreckenläufer

Timo Benitz gewann letzes Jahr Gold bei der Team-EM, ist vierfacher Deutscher Meister und Universiadesieger. Seine Spezialdisziplin ist der 1500m-Lauf. Über seinem Bett hängt ein Cockpit-Poster vom A320. Denn er studiert Luft- und Raumfahrttechnik (M.Sc.).

TU: Wie bist Du zur Leichtathletik gekommen? Und speziell zur Mittelstrecke?

Timo: Als Nachzügler - was die körperliche Entwicklung angeht - hatte ich in jungen Jahren Probleme, mit den anderen Athleten mitzuhalten. Mit 15 wollte ich dann aufhören, wurde aber nochmal überredet bei der heimischen Crosslaufserie mitzulaufen. Dort habe ich dann ohne spezielles Lauftraining alle geschlagen. Danach hat mich mein erster Lauftrainer Bernd Lindenmayer angesprochen, ob ich nicht bei seiner Laufgruppe vorbeischauen möchte. Ein halbes Jahr später war ich zum ersten mal bei deutschen Meisterschaften dabei.

TU: Was ist das Besondere an Deiner Disziplin, dem Mittelstreckenlauf?

Timo: Die Intensität mich welcher man den eigenen Körper mit sich selbst kämpfen spürt. In der Mittelstrecke muss man sich extrem quälen können. Im Vergleich zu anderen Disziplinen geht es bei uns direkt Mann gegen Mann.

TU: Letztes Jahr hast Du jeweils Gold bei der Team-EM und Universiade gewonnen. Dieses Jahr ist die Heim-EM in Berlin sicher ein Highlight. Wie viel Zeit bleibt Dir für das Masterstudium in Luft- und Raumfahrttechnik?

Timo: Leider nicht ganz so viel, wie ich gerne machen würde. Es gibt sehr spannende Themenfelder und Vorlesungen. Letztere kann ich nur besuchen, wenn sie auch zeitlich in meinen Tagesablauf passen. Zur Zeit bin ich zweimal pro Woche in der Uni.

TU: Wirst Du als Sportler in der Uni erkannt? Sprechen Dich Leute darauf an?

Timo: Nein eigentlich fast gar nicht. Ehrlich gesagt möchte ich das auch nicht. Die Uni ist für mich die beste Möglichkeit Abstand vom Sport zu bekommen. Ich mache meinen Sport unheimlich gerne, aber im Herzen bin ich mehr Student als Sportler.

TU: Eine Voraussetzung für die Nominierung zur EM war das Erreichen einer Norm, das heißt einer bestimmten Zeit. Hierfür ist die Teilnahme an Wettkämpfen mit einem hinreichend schnellen Läuferfeld nötig. Für die EM-Norm bist Du bis nach Finnland und Frankreich gereist. Die Jagd nach der Norm für wichtige Wettkämpfe scheint fast so spannend und schwierig zu sein, wie dann später ins Finale einer EM, WM oder von Olympischen Spielen zu kommen. Stimmt der Eindruck?

Timo: Die Normjagd ist manchmal echt ein Psychospielchen. Da muss dann alles passen mit dem Wetter und der Konkurrenzsituation. Und wenn man sie dann hat ist immer noch nicht gesagt, dass man wirklich dabei ist.

TU: Managst Du Deine sportlichen Termine – mit allen Reisen, Hotelunterbringungen, Verhandlungen – selbst oder hast Du dafür eine Unterstützung?

Timo: Ich habe eine Managerin. Mit ihr spreche ich die Wettkämpfe ab, die ich gern bestreiten möchte. Sie organisiert dann die Reise, Hotel etc. für mich. Wenn es aber zu kompliziert wird, organisiere ich Termine und die Reise selbst. Da meine Tage alle sehr durchgetaktet sind kommt das gar nicht so selten vor.

TU: Eine Frage zur EM: Schaust Du Dir selbst auch andere Wettkämpfe an – und falls ja: Welche?

Timo: Das kann ich gar nicht so genau sagen. Aber wenn ich es zur EM schaffe, wird meine Familie und viele Freunde in Berlin sein. Da ich meine Familie nur 4 bis 5 mal im Jahr sehe und meine Schwester nach Amerika ziehen wird, haben sie natürlich Priorität vor den Wettkämpfen.

TU: Zum Schluss: Gibt es ein Sportidol oder einen magischen Moment der Leichtathletik mit großer Ausstrahlung auf Dich?

Timo: Jürgen Klopp. Er ist einfach Sportler durch und durch. Und er kommt aus Baden-Württemberg ;)

TU: Danke für das Gespräch.