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Interviewreihe - Folge 1: Sebastian Schenk, Läufer

© TU-Pressestelle/ Groh

 

Sebastian Schenk ist Läufer und hat es in Deutschland in seiner Disziplin bis in die Top5 geschafft. Er studiert Automotive Systems (M.Sc.). An der EM wird er nicht teilnehmen.

 

TU: Heute sprechen wir mit Sebastian Schenk. Du studierst hier an der TU und bist in der deutschen Leichtathletik schon einmal ganz gut dabei gewesen. Was war dein größter Erfolg bisher?

Sebastian: Das war 2015 in Nürnberg über 1500 Meter. Da habe ich bei den Deutschen Meisterschaften den fünften Platz belegt.

TU: Wie bist Du zur Leichtathletik gekommen?

Sebastian: Das fing schon relativ früh an. Ich habe mich immer schon ziemlich viel bewegt als kleines Kind. Dann wurde ich einmal mitgenommen zu einem Crosslauf. Ich war gleich ziemlich gut, musste sogar eine Altersklasse höher starten, weil es meine Klasse noch gar nicht gab. Kurze Zeit später bin ich zu einem Leichtathletikverein bei mir im Ort gegangen. Ich habe schnell Gefallen daran gefunden und bin bis heute dabei geblieben.

TU: Bei welchem Verein bist Du heute?

Sebastian: Seitdem ich vor fünf Jahren nach Berlin kam, bin ich beim VfV Spandau.

TU: Was ist Dein nächstes großes sportliches Ziel?

Sebastian: Oh, das ist schwer zu sagen. Ich habe wegen der Bachelorarbeit und aus gesundheitlichen Gründen eine längere Pause gemacht. Im Frühjahr habe ich wieder angefangen, hatte leider wieder einen Rückschlag vor zwei Wochen und bin so gerade am Überlegen, ob ich noch einmal angreife für den Sommer – was jetzt relativ knapp ist. Es wird dann eher in Richtung Staffel bei den Deutschen Meisterschaften gehen – sei es 3x1000m mit meinen Vereinskameraden oder es wird einmal ein Sommer ohne Wettkämpfe – mit ganz anderen sportlichen Aktivitäten.

TU: Wie können wir uns so einen Wochenablauf bei Dir vorstellen? Wie viel Zeit geht für das Training drauf und wie vereinbarst Du das mit dem Studium?

Sebastian: Es kommt ganz auf die Jahreszeit an. Grundsätzlich findet jeden Tag Training statt. Mit allem Drum und Dran sind das knapp zwei Stunden. Dann gibt es bei einer Saisonvorbereitung, die wirklich super läuft, zwei Tage, an denen auch mal doppelt trainiert wird.
Der Tagesablauf ist meistens so, dass man meistens vor der ersten Vorlesung, wenn die um zehn Uhr beginnt, eine halbe Stunde läuft und dann nachmittags eine Tempoeinheit hat. Und insgesamt kommt man dann in der Woche auf fünf bis acht Einheiten insgesamt.
Wie das vereinbar ist mit dem Studium? Tja, manchmal schwierig. Es gibt manchmal Abgaben zu erfüllen. Das muss man sich dann vorher überlegen, ob man das Modul noch ein Semester schiebt oder sich sagt: `Okay, ich muss da jetzt durch – und mach das Training dann halt nach 18:00 Uhr, wenn die Uni aus ist´.

TU: Ein straffer Plan. Hast Du manchmal mit dem Gedanken gespielt, das Studium zurückzustellen wenn Du dafür die Chance gehabt hättest, einmal zu einer EM oder WM oder gar zu Olympischen Spielen zu fahren? Hat das eine Rolle gespielt oder war für Dich immer klar: `Okay, das Studium geht vor´?

Sebastian: Ich denke, wenn man die Chance hat und es absehbar ist, das könnte mit den Zeiten klappen – da gibt es für die Qualifikation immer Zeiten, die vorgegeben sind – dann könnte man sich das überlegen. Was das auf längere Sicht für das Studium heißt, ist dann wieder eine andere Sache. Aber ein oder zwei Semester das Studium zurückzustellen, könnte  ich mir vorstellen.

TU: Gibt es ein Idol Deiner Kindheit oder der Gegenwart in der Leichtathletik?

Sebastian: Eine spezielle Person oder ein Idol habe ich nicht. Es gibt aber Momente, die hängen bleiben. Sei es die Olympiade 2016 in Rio, der 800m Lauf der Männer – wegen dem Weltrekord und der Art, wie gelaufen wurde. Oder der erste nichtafrikanische Läufer unter 27 Minuten (über 10.000m, Chris Solinsky, 2010; die Red.). Solche Läufe bleiben in Erinnerung.

TU: Jetzt findet im August die EM in Berlin statt. Das ist ja der Anlass dieses Gesprächs. Wirst Du da hingehen?

Sebastian: Ich bin wahrscheinlich im Urlaub zu dem Zeitpunkt. Das ist ein bisschen schade, aber Urlaub ist auch schön. Ich werde es mir in jedem Fall angucken. Und als Mittelstreckler guckt man sich natürlich besonders gerne diese Strecken auch an. Und ganz gerne auch mal die Zwischenläufe, wenn es darum geht, wer am Ende dabei ist. Weil ich die zum Teil spannender finde als die Finals.

TU: Gibt es jemandem, dem Du besonders die Daumen drückst?

Sebastian: (lacht) Wenn man jetzt wirklich schon von Mittelstrecke und Deutschland redet und man selber ein bisschen läuft, dann guckt man natürlich schon einmal auf Timo (Benitz; die Red.). Ich drücke in jedem Fall ihm die Daumen… und allen anderen, die es auch schaffen und dann möglicherweise im Finale dabei sind.

TU: Hast Du einen Tipp, wer da vorn dabei sein wird im 1500m Lauf?

Sebastian: Das ist sehr schwer abzuschätzen. Wenn man sich die letzten Jahre bei den EM oder WM anguckt, wer da im Vorfeld gute Zeiten hatte und wer dann wirklich auf den ersten drei Plätzen zu finden ist, das unterscheidet sich immer sehr stark. Das ist sehr vom Rennen abhängig. Und da etwas richtig vorherzusagen, ist sehr schwierig, selbst als jemand, der sich auskennt. Aber ich würde sagen, möglicherweise finden wir da einen Deutschen unter den ersten fünf.

TU: Die Europameisterschaften sind dieses Jahr erstmals als European Championships organisiert;  Festivalähnlich, so ist auch die ganze Kampagne aufgezogen; Mit Wettkämpfen in der Innenstadt; Es gibt günstige Dauerkarten. Findest Du das gut? Nimmst Du das zur Kenntnis? Findest Du, dass die Leichtathletik mehr in die Stadt hinein gehört?

Sebastian: Das Konzept erfährt ja schon seit ein paar Jahren Veränderungen. Kugelstoßen ist jetzt aus dem Stadion in die Stadt verlegt worden. Ich denke, es ist eine gute Idee, weil es vielleicht mehr Leute begeistert, die dann auch Gefallen dran finden.

TU: Danke für das Gespräch.